Resonanzen
Für die VIDEONALE.20 entwickelten Anne Diestelkamp (Programmkuratorin V.20) und Annette Ziegert (Künstlerische Leitung Programm V.20) das Format der RESONANZEN, das Videokunst in einen Dialog mit Literatur, Musik und verschiedenen Forschungsbereichen bringt. Für jede Veranstaltung wurden in Resonanz zu den Themen ausgewählter Videokunstwerke Texte, Soundstücke und Gesprächspartner:innen kuratiert.
In Gruppen von zwanzig Personen sahen wir uns gemeinsam Videoarbeiten an, die sich mit Themen wie Elternschaft/Symbiosen, Entfremdung, Einsamkeit oder Angst befassen. Diesen Screenings wurden gemeinsame Lesungen aus Annie Ernaux' Text A Frozen Woman oder Heike Geißlers Roman Seasonal Associate, eine Listening Session zu dem sowjetischen Lied Neznost (Zärtlichkeit) oder ein Gespräch mit einer Psychoanalytikerin gegenübergestellt.
RESONANZ
WHENEVER I SAW HER, I KNEW I WAS DREAMING
Mit Stéphanie Lagarde, moderiert von Anna Holms
Reading Session und Gespräch
Beatrice Gibson und Stéphanie Lagarde setzen sich in ihren Videoarbeiten DREAMING ALCESTIS und EXTRA LIFE (AND DECAY) mit den Themen Elternschaft und Selbstaufgabe auseinander. In einer partizipativen Lesung beschäftigten wir uns gemeinsam mit Auszügen aus Annie Ernaux’ Roman A Frozen Woman, in dem die Autorin von ihrer eigenen Hingabe an familiäre Pflichten erzählte. Im Anschluss näherten wir uns durch Screenings und Gespräche den Werken von Lagarde und Gibson.
RESONANZ
DESERT AND VALLEY PRIDE
Mit Lukas Marxt und Ana María Millán, moderiert von Nieves de la Fuente Gutiérrez
Gespräch
Ana María Millán und Lukas Marxt setzen sich in DESERT und VALLEY PRIDE mit den sozialen und ökologischen Auswirkungen von Ressourcenextraktion auseinander. Beide beschäftigen sich mit kolonialen Strukturen der Extraktion: Millán fokussiert die kolumbianische Wüste, Marxt Kalifornien. Ausgehend von ihren Werken sprachen wir mit den Künstler:innen über künstlerische Formen der Thematisierung von Kolonialisierung und der Ausbeutung von Menschen und Landschaften.
RESONANZ
UNTER DEN FÜßEN KEIN SAND
Mit Anna Zett und Agathe Israel, moderiert von Annette Ziegert
Gespräch
In ihrem Film ES GIBT KEINE ANGST [Afraid doesn’t exist] gibt Anna Zett Einblicke in die Umbruchszeit in Deutschland zwischen 1986 und 1990: den politischen und gesellschaftlichen Wandel von der Deutschen Demokratischen Republik zur Wiedervereinigung mit der Bundesrepublik Deutschland. Indem die Künstlerin DDR-Oppositionsmaterial mit Lyrik und Musik verwebt, thematisiert sie die Ängste und Unsicherheiten der Wendezeit. Im Gespräch mit der Psychoanalytikerin Agathe Israel sprachen wir über die psychologische Dimension dieser Jahre und darüber, wie Angst und Verdrängung die kollektive und individuelle Erfahrung der Wende prägten.
RESONANZ
AND THE STARS GIVE YOU THEIR TENDERNESS
Mit Chto Delat, moderiert von Rosa Heidemann
Listening Session und Gespräch
In der Videoperformance NEZHNOST / TENDERNESS des Kollektivs Chto Delat schwingen vier Menschen vor ihren Bildschirmen zum Rhythmus des sowjetischen Liedes Nezhnost, das die Einsamkeit des ersten Kosmonauten im All beschreibt. Entstanden zu Beginn der COVID-19-Pandemie, reagiert das Werk auf die Gefahr eines gesellschaftlichen Kollapses und lädt ein, sich vorzustellen, wie wir uns verhalten würden, wenn der Zusammenbruch bereits eingetreten wäre. Gemeinsam mit dem Kollektiv näherten wir uns dem Werk anhand der Melodie und des Textes von Nezhnost.
RESONANZ
DELIVER, DELIVER, DELIVER
Mit Ida Kammerloch und Stefan Panhans/Andrea Winkler, moderiert von Anne Diestelkamp
Reading Session und Gespräch
In ANIMA OVERDRIVE von Stefan Panhans & Andrea Winkler rappt eine Künstlerin über den erschöpfenden Kreislauf von Lieferungen, von physischen Gütern bis zu abstrakten Konzepten. Ida Kammerloch erzählt in MEMBRANE OF THE NEW anhand der Geschichte ihres Großvaters vom Shuttle-Trade zwischen Russland und China. In einer partizipativen Lesung brachten wir die beiden Werke in Resonanz mit Textauszügen aus Heike Geißlers Roman Seasonal Associate, in dem die Autorin über ihre Arbeit für Amazon und die damit verbundene Erschöpfung und Entfremdung schreibt.